Alexander Jobst in Metelen - Pressebericht

Besuch aus dem Schalke-Vorstand hatten jetzt die 04-Fans von Königsblau und aus dem gesamten Bezirk. Alexander Jobst, Marketingchef des Traditionsclubs, stand den Fußball-Anhängern Rede und Antwort. Er fand offene Worte zum Zustand und zur Zukunft des Vereins.

Wenn ein Fußballclub aus dem Ruhrgebiet, der selber großen Wert auf sein Image als „Traditionsverein“ legt, einen jahrelangen Sponsorenvertrag mit einem russischen Erdgasförderunternehmen schließt und die Preise für das neue Heimtrikot um fünf Euro auf 89,95 Euro angehoben werden, ist das für viele Fans des „Kumpel-und-Malocher-Clubs“ nur schwer nachvollziehbar.

Zuständig für diese Fragen ist beim FC Schalke 04 Alexander Jobst, der als Vorstandsmitglied der Königsblauen die Bereiche Marketing und Merchandising verantwortet. Am Donnerstagabend war er zu Gast bei der Bezirksversammlung des „Schalker Fan-Club Verbands“ (SFCV) in der Gaststätte Kock und stand den zahlreichen Vereinsvertretern Rede und Antwort.

Dabei erlebten die königsblauen Anhänger ein äußerst ehrliches Vorstandsmitglied, das sich mit ruhiger Stimme, klaren Beiträgen und souveränen Antworten den Fragen der Vereinsvertreter stellte. „Ich bin leider kein gebürtiger Schalker“, begann Jobst die Vorstellung seiner persönlichen Vita. Nach dem Studium der Sportökonomie arbeitete er zunächst für die Siemens AG, für die er unter anderem Marketingverträge mit Real Madrid schloss.

Deren Manager Florentino Perez holte ihn daraufhin als „Head of International Development“ nach Spanien – als ersten ausländischen Mitarbeiter der Madrilenen. Nur zwei Jahre später folgte der Wechsel in die Schweiz, wo er in führender Position für die FIFA arbeitete.

Dass der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies ihn dennoch ins Ruhrgebiet lotsen konnte, hing auch mit den damaligen Geschehnissen beim Weltfußballverband zusammen. „Der Anruf kam zu dem Zeitpunkt, als die FIFA die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und Katar vergeben hatte“, erklärt Jobst. „Was man vermarkten will, da muss man auch für stehen. Das war für mich so aber nicht mehr möglich.“

Dass es dennoch keine leichte Entscheidung war, seinen Lebensmittelpunkt von Zürich nach Gelsenkirchen zu verlagern, daraus macht der 42-Jährige kein Geheimnis. „Da musste ich bei meiner Familie große Überzeugungsarbeit leisten“, so Jobst. „Ich habe lange gebraucht, um diesen Verein zu verstehen und möchte auch nicht behaupten, dass ich ihn jemals ganz verstehen werde“, gab er zu.

Daraufhin eröffnete Bezirksleiter Dieter Brand die königsblaue Fragerunde, für die Thomas Köning zunächst einige Fragen vorbereitet hatte. So sprach der Geschäftsführer des Fanclubs „Königsblau Metelen“ den „Alex“ zuerst auf die im Mai verlängerte Zusammenarbeit mit der russischen Firma „Gazprom“ an. „In Bezug auf das Image profitiert Gazprom von uns natürlich mehr als andersrum, das ist ganz klar“, erklärte Jobst. „Allerdings wissen wir es sehr zu schätzen, dass sich das Unternehmen nie in unsere Vereinsbelange eingemischt hat.“ Auch die Höhe der finanziellen Unterstützung und die Langfristigkeit hätten bei der Verlängerung eine entscheidende Rolle gespielt. „Wir stehen zum eingetragenen Verein, aber dafür sind starke wirtschaftliche Partner unbedingt erforderlich“, zieht er einen indirekten Vergleich zu den schwarz-gelben Erzrivalen, die als Aktiengesellschaft notiert sind.

Doch nach all den Marketingfragen bleibt dem Vorstandsmitglied auch ein Blick auf die sportliche Situation nicht verwehrt, die seit einigen Wochen sein neuer Vorstandskollege Christian Heidel zu verantworten hat. „Ich weiß, dass ihr die Begriffe ,Neubeginn‘ und ,Umbruch‘ alle nicht mehr hören könnt, deshalb will ich sie auch nicht mehr in den Mund nehmen“, macht er deutlich. „Aber dann erzählen mir die Leute: ,Ach, Herr Jobst, wenn es drauf ankommt, hat Schalke schon immer verloren‘. Das kann ich nicht mehr hören. Das nervt mich einfach“, macht er unmissverständlich klar.

Er appelliert an die Fans: „Wir brauchen endlich eine Mentalitätsänderung.“ Nicht nur für diese Aussage wird er von den zahlreichen Vereinsvertretern mit lautem Applaus belohnt. „Ich sehe meine Zukunft hier auf Schalke. Und ich will mit diesem Verein auch mal Titel gewinnen.“

Foto: FC Schalke 04, Text:Maximilian Stascheit für MZ und WN

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