Tageblatt mit einem Bericht über unsere "Kutscher" - 22.02.2008

 

Donnerstagabend am Sunnenkamp: Bruns besucht Bülters, der CD-Player fegt Schalke-Lieder durchs Wohnzimmer, und zwei Männer reden vom Samstag. Wie muss sich ein Bremen- und Gladbach-Fan die königsblaue Tour ab Metelen vorstellen? Bruns: „Wir fahren am Busbahnhof los. Vorn im Bus platzier’ ich den großenWimpel, hinten die große Fahne. Dann geht’s über Heek zum Bottroper Kreuz und von da in Richtung Schalke.“ Bülters: „An der dritten Abfahrt geht’s runter. Aber da musst du erstmal hinkommen. Manchmal gehört uns die linke Fahrspur. Dann überholen wir alle Fußball-Fans, die sich rechts stauen. 1000 Meter vor der Abfahrt ziehen wir rüber auf die mittlere Spur, und auf den letzten 300 Metern lässt man uns wieder in die Lücke.“

90 Kilometer Vorfreude: Dann zieht Bruns den Schlüssel ab. Noch fünf Minuten Marsch bis zur Arena. „Zu 85 Prozent krieg’ ich immer meinen Stamm-Parkplatz. Eine halbe Stunde vor dem Spiel sind wir da, eine halbe Stunde nach dem Abpfiff geht’s retour“, sagt der Fahrer. „Zwei Minuten entscheiden darüber, ob wir flüssig rauskommen, oder ob wir ’ne Stunde im Stau stehen.“ Bülters: „Wer nicht pünktlich da ist, bleibt in Gelsenkirchen. Der Fanclub-Vorsitzende kam mal nicht rechtzeitig wieder. Da musste er dann sehen, wie er nach Hause kommt.“

Doch die Fans, deren Altersspanne vom Dreikäsehoch bis zum Uropa reicht, sind fast immer pünktlich – und sauber. „Nach der Heimfahrt liegt im Bus kein Kronkorken rum. Da kannst Du vom Boden essen“, schwärmt Bruns.

19. Mai 2001: „Weißt du noch Theo?“ – „Klar, Herbert! Friede, Freude – und dann Eierkuchen. Schalke war Meister. Für vier Minuten. Dann hat sich Bayern den Titel geschnappt.“ Wie war danach die Stimmung im Bus? „Zum Heulen“, sagt Bülters. „Aber sonst ist sie super. In unserm rauchfreien Bus gibt’s alles – die Welle und die Dauerwelle. Metelens Schalke-Fanclub ist wie eine große Familie.“ Und wie zum Beweis erzählt Bülters noch eben die Geschichte von seinem Nachbarn. „Dem haben wir zur Silberhochzeit einen blau-weißen Bogen gemacht und die Stufen blau-weiß gestrichen. Und die Krönung: Wir sind mit dem Fanbus extra bei ihm vorbeigefahren und haben das große Horn gedrückt. Der stand in der Tür und hat kein Wort mehr rausgekriegt.“

Irgendwann soll’s noch „verrückter“ zugehen – wenn Schalke Meister wird. Bülters: „Dann steigt jemand aus der Blaskapelle bei meinem Nachbarn aufs Dach und spielt das Schalkelied. Die Wette läuft.“

Fehlt also nur noch, dass die blauen Jungs endlich die Schale holen. Was dann wohl in Metelen los ist? Gemeindesheriff Hermann Herding muss bestimmt die Kreisel sperren – für endlos viele Fanbus-Runden.

Quelle Text u. Bild: Ochtruper Ta

geblatt - Michael Dahme

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