Bericht aus der Grenzland Wochenpost - 08.05.2008

BVB-Kennzeichen – Roller kaputt

In Metelen gibt es gleich drei aktive Fußball-Fanclubs

Sportlich gönnen (v.l.) Christian Ernsting, Alfred Iking und Norbert Buss den jeweils anderen Klubs nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Menschlich kommen alle sehr gut miteinander aus. Foto: Joemann

Metelen (rmj). Bayern München ist seit Sonntag wieder Deutscher Meister. Der FC Schalke 04 bangt weiter um die Champions League-Qualifikation. Der VfL Bochum freut sich über seinen gesicherten Mittelfeldplatz und Borussia Mönchengladbach bereitet gerade die Aufstiegsfeier ins Fußball-Oberhaus vor. Ein guter Zeitpunkt, dass die Fans dieser Vereine, die alle in Metelen offizielle Fanclubs besitzen, über den lieben (Fußball-)Gott plaudern. Nicht dabei die Dortmunder Borussia. Vor nicht allzu langer Zeit waren die Schwarz-Gelben auch mit einem eigenen Fanclub in Metelen vertreten, den gibt es jedoch nicht mehr, ebenso wie starke Leistungen der Dortmunder auf dem grünen Rasen.

Schalke-Fan Christian Ernsting (31), Königsblau: „Die Dortmunder heißen bei uns nur Lüdenscheid oder Zecken. Leider konnte ich es nicht verhindern, dass ich bei meinem Roller das Kennzeichen BVB bekommen habe.“

Bochum-Fan Norbert Buss (43), VfL Kraniche: „Den würde ich lieber schieben.“

Ernsting: „Ein Freund von mir hat auch so ein BVB-Kennzeichen. Jetzt ist der Roller kaputt.“ (Gelächter)

Gladbach-Fan Alfred Iking (47), Vechte-Fohlen: „Es ist doch so, dass man den anderen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnt. Trotzdem gibt es keine Gehässigkeit zwischen den Metelener Klubs. Bei uns sind auch sieben, acht Bayern-Fans Mitglied. Die halten zu Gladbach, außer wenn die gegen Bayern spielen.“

Ernsting: „Fan wird man von dem Verein, der früher am besten war. Wer keine Ahnung von Fußball hat, wird Bayern-Fan.“

Buss: „Wenn Bayern kommt, nehmen wir einen Bus, sonst fahren wir privat. Für einen Bus muss man mindestens 30 Leute haben, sonst rechnet sich das nicht. Letztens haben wir Schüttdorfer Bayern-Fans mitgenommen. Das Geld, das übrig geblieben ist, habe ich dem Angelverein gegeben.“

Iking: „Wir fahren dreimal in der Hin- und dreimal in der Rückrunde ins Stadion. Dabei nehmen wir Verpflegung mit. Schließlich haben wir es weiter als Ihr. Zum Länderspiel gegen Serbien am 30. Mai in Gelsenkirchen fahren wir mit Königsblau zusammen. Jeder bekommt 30 Karten. Anschließend steigt in unserem Klubheim, der Backstube, noch eine gemeinsame Party.“

Ernsting: „Wir fahren zu jedem Heimspiel mit einem 60er-Bus. Den bekommen wir immer voll. Wenn einer mal abspringt, sind wir die Karte zehn Minuten später wieder los.“

Buss: „Ihr habt keine Probleme. Das ist bei uns anders.“

Iking: „Ich habe letztes Mal vor dem Stadion noch ein paar Tickets verkaufen müssen.“

Ernsting: „Das machen wir gar nicht. Wenn ein Idiot mit unserer Karte randaliert, bekommen wir später Ärger.“

Buss: „Bei uns steht sogar Kraniche Metelen drauf.“

Ernsting: „Was der Eintritt früher in D-Mark gekostet hat, kostet er jetzt in Euro.“

Buss: „Wenn ich mit meiner Frau und den beiden Kindern fahre, bin ich schnell 100 Euro los. Das kann man sich gar nicht so oft leisten.“

Ernsting: „Ich habe keine Familie, bin immer dabei. Da müsste ich schon krank sein – oder auf Kegeltour.“

Buss: „Schalke ist auch wie eine Religion.“

Iking: „Bei Euch wird im Bus nur eine Kassette reingeworfen und schon geht die Post ab.“

Buss: „Schalke ist eigentlich Kult. Neulich habe ich noch einen mit über 70 Jahren mit Trikot gesehen.“

Ernsting: „Wir bieten auch einmal im Jahr eine Kinder-Tour an. Dann sitzen da Opa, Vater und Sohn nebeneinander.“

Buss: „Bochum hat es von seiner Geschichte her viel schwieriger. Während Schalke und Dortmund immer als Arbeitervereine galten, war Bochum eher die Beamtenstadt. In Metelen waren wir aber die ersten, die einen Fanclub hatten.“

Ernsting: „Die Bundesliga ist ein sehr gutes Produkt, aber es darf nicht noch mehr kommerzialisiert werden.“

Buss: „Es gibt jetzt schon zu viel Fußball.“

Iking: „Früher hat man sich auf jedes Spiel gefreut – internationale und Länderspiele. Heute kannst du jeden Tag welche sehen.“

Ernsting: „Ich will keine englischen Verhältnisse, wo die Anstoßzeiten sich nur nach dem Fernsehen richten. Die Vereine sind jetzt schon Wirtschaftsunternehmen. Schalke ist mit seinen 16 Gesellschaften mittlerweile der zweitgrößte Arbeitgeber in Gelsenkirchen.“

Iking: „Die Bundesliga ist wie die Gesellschaft. Der Mittelstand geht immer weiter auseinander.“

Quelle: "Wir in..." Wochenzeitung

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